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Driften
Video­pro­jek­tion, 2014
Ex- Capi­tol The­ater Wor­ringer Platz

Viktoria Strecker


* 1987
lebt in Wup­per­tal — arbeit­et in Düs­sel­dorf und Wup­per­tal
Seit 2009 Studi­um an der Kun­stakademie Düs­sel­dorf bei Mar­cel Oden­bach

Aus­ge­hend von dem Medi­um Zeich­nung beschreiben Vik­to­ria Streck­ers Werke die Suche nach ein­er Urform — ein­er Struk­tur, deren zeitlich­er und geografis­ch­er Ursprung nicht fix­ier­bar und die in allem, was den Men­schen umgibt, in irgen­dein­er Weise wiederzufind­en ist. Sowohl in natür­lichen, als auch in zivil­isatorischen Sys­te­men — so wie das Adern­netz eines Laub­blattes sich in ver­größertem Maßstab in den Armen eines Flusses zu wieder­holen scheint, sich aber gle­ichzeit­ig in den von Men­schen­hand geschaf­fe­nen Infra­struk­turen zu spiegeln ver­mag und in Mikro- und Makrokos­mos seine Fort­führung find­et.
Streck­ers Arbeit­en lassen an biol­o­gis­che Sys­tem­atiken denken, die sich aus der Wieder­hol­ung auf­bauen. Durch die seriellen Anord­nun­gen in sich struk­turi­ert­er Ele­mente scheint sich die über­ge­ord­nete in der unter­ge­ord­neten Form zu wieder­holen und umgekehrt; Über­set­zung­sprozesse von der Zeich­nung in die Instal­la­tion oder von einem Mate­r­i­al ins andere poten­zieren den Gedanken des Unendlichen und Uni­versellen. Die Zeich­nung, die als direk­testes und ursprünglich­stes Medi­um der Bilden­den Kun­st gilt, wird hier zur natür­lichen Spur des intu­itiv­en und auch med­i­ta­tiv­en Arbeit­sprozess­es, fast im Sinne der „écri­t­ure automa­tique“, jedoch weit über eine bloße Selb­staufze­ich­nung zur Erforschung der men­schlichen Psy­che hin­aus­ge­hend. Unter­be­wusstes und Kon­trol­lver­lust sind Teil eines „Selb­s­t­ex­per­i­ments“, die Urstruk­tur aus sich her­aus zu erzeu­gen und sich damit selb­st in einen uni­ver­salen Weltzusam­men­hang zu stellen. Durch den Ein­satz unter­schiedlich­ster Mate­ri­alien — auch sim­pler All­t­ags­ge­gen­stände — scheint zum einen die ele­mentare Suche nach der Urstruk­tur durch das Sicht­bar­w­er­den der funk­tionalen Medi­en um das Alltägliche erweit­ert und dieses in der Kon­se­quenz in einen mys­tis­chen Gesamtkon­text gebracht zu wer­den. Zum anderen wird der Arbeit­sprozess als wis­senschaftlich­es Exper­i­ment ent­larvt, das Pathos des Prozesshaften so les­bar, der Gedanke des Uni­versellen entro­man­tisiert und im All­t­ag ver­ankert. (Jari Ortwig)

Driften

Die Arbeit „Driften“ ist eine Videoin­stal­la­tion. Man sieht einen Sock­el mit ein­er durch­sichti­gen Poly­sty­rolscheibe als Deck­el, dessen innere Wände schwarz gestrichen sind. Auf der Scheibe ste­hen kristalline For­men (aber­mals aus Poly­sty­rol), die sich in dem glat­ten Unter­grund im Sock­el indi­rekt spiegeln. Senkrecht von oben pro­jiziert ein Beam­er das Entste­hen von Zeich­nun­gen auf die Instal­la­tion. Nur die Lin­ien dieser Zeich­nun­gen (in diesem Falle weiß auf schwarz) brin­gen Licht und find­en ihre Pro­jek­tions­fläche — gebrochen von den durch­sichti­gen Flächen des Poly­sty­rols — auf mehreren Eben­den in der schwarzen Tiefe des Sock­els. Mit dem Pro­gramm „Max MSP“ wur­den zuvor Patch­es geschrieben, die das Entste­hen und Aufze­ich­nen von drei­di­men­sion­alen Zeich­nun­gen über das Wacom (ein dig­i­tales Zeichen­brett) ermöglicht­en. Der Druck des Stifts auf dem Wacom wurde für die Werte auf der Z-Achse (die Tiefe) über­tra­gen und bei jedem Set­zen eines Punk­tes wurde in diesem der neue Ursprung auf dem Koor­di­naten­sys­tem fest­gelegt, der sich automa­tisch durch eine Verbindungslin­ie mit dem fol­gen­den Punkt verbindet. Beim vorheri­gen Aufze­ich­nen wur­den Stellen auf der Zeichen­fläche des Wacoms bes­timmt, auf welche Buch­staben des Alpha­bets gelegt wur­den und die es mir ermöglicht­en, konkrete Sätze in Zeich­nun­gen zu über­set­zen. Um die Drei­di­men­sion­al­ität bess­er erken­nen zu kön­nen, dreht sich die jew­eilige Zeich­nung um die eigene Achse und lässt sich so im Entste­hung­sprozess von allen Seit­en betra­cht­en.
Die nötige Tech­nik, die über der Instal­la­tion an der Decke hängt, wird von einem Eben­bild des Sock­els auf dem Boden verdeckt, wodurch die Illu­sion ein­er unter­broch­enen Säule entste­ht. Die Licht­spiegelun­gen, die bei der Pro­jek­tion auf das Poly­sty­rol entste­hen, bekom­men trotz der einge­set­zten und durch­dacht­en Sys­tem­atik der Instal­la­tion ein Eigen­leben, das den Raum gle­ich eines Kinder-Mobilés beleuchtet. Es existiert in der neuen
Biolo­gie eine Analo­gie (Wassertropfen-Analo­gie) zum natür­lichen Driften. Hier­bei stellt man sich einen mäan­dern­den Berg vor, auf dessen Spitze nacheinan­der einzelne Regen­tropfen fall­en. Ver­fol­gt man nun die Bah­nen, welche diese hin­ter­lassen, so lässt sich eine Vielzahl an schein­bar zufäl­li­gen Ver­läufen über den Berg erken­nen, die sich alle unter­schei­den, abhängig von der Beschaf­fen­heit und der Eigen­schaften des Regen­tropfens an sich
(Form, Masse, Geschwindigkeit…), von äußeren Ein­wirkun­gen (Milieu, Wind…) und der spez­i­fis­chen Stelle des Unter­grunds, auf den sie tre­f­fen (Hin­der­nis, Bodenbeschaf­fen­heit…). All diese indi­vidu­ellen Ver­läufe repräsen­tieren die Arten­vielfalt in all ihren möglichen Aus­gän­gen. Der berühmte Darwin´sche Satz „sur­vival of the fittest“ müsste so eigentlich „sur­vival of the fit“ heißen, son­st wäre eine der­ar­tige Arten­vielfalt, die wir auf unserem Plan­eten vorfind­en, nicht vorhan­den: bere­its der Angepasste (nicht der Angepasstere) über­lebt. Die Sätze, welche die pro­jizierten Zeich­nun­gen bilden, sind philosophisch-wis­senschaftliche Apho­ris­men zu diesem The­ma* Die Welt steckt voller Möglichkeit­en. Sie ist nicht nur alles, was der Fall ist, son­dern auch alles, was der Fall sein kön­nte.

Einzelausstellungen

2017
Ver­set­zung // Rein­raum e.V. // Düs­sel­dorf
2016
Tab­u­la­ta // Kun­st­förder­preis JUNGE Posi­tio­nen 2016 // Herne
Anam­ne­sis // Galerie Judith Andreae // Bonn
gra­da­tim // Galerie Jan­u­ar e.V. // Bochum
UR // Galerie am Meer // Düs­sel­dorf
2015
Sel­tene Erden // Samm­lung Phi­la­ra // Düs­sel­dorf
Mnemon­ics // Kun­sthaus Mettmann // Mettmann
Grup­pe­nausstel­lun­gen:
2017
r.u.n.d.blick // Land­tag NRW // Kun­st­Conzept E.V. // Düs­sel­dorf
2016
Scope Mia­mi // Galerie am Meer // Mia­mi, USA
Paper Works 2 // Galerie mar­tin Mertens // Berlin
Art Rio // Galerie am Meer // Rio
Posi­tions // Galerie Judith Andreae // Berlin
Modes Of Con­duc­tion // Overnight­pro­jects // Burling­ton, USA
Far Off // Galerie Judith Andreae // Köln
2015
Kun­stmesse Leipzig // W57 // Leipzig
Revive // Kun­sthaus Mettmann //Mettmann
knapp aber möglich // Galerie am Meer & LAGER3 // Düs­sel­dorf
Änderun­gen Aller Art // ÄAA // Mönchenglad­bach
First Flush // stART Bay­er Kul­tur // Lev­erkusen
2014
Gen­e­sis // Schichtwech­sel // Wup­per­tal
Kine­mat // Aach­en­er Ate­lier­haus // Aachen
Hummel&Wolf // Som­mer­ate­lier John&Joe // Düs­sel­dorf
Spa­gat // Gallery A3 // Moskau
2013
Regen­wahrschein­lichkeit // Samm­lung Phi­la­ra // Düs­sel­dorf
Rund­blick 2013 // Kirschenpflück­er e. V // Köln
Refugium // Mis­ch­poke e.V. // Mönchenglad­bach
2012
13 aus 317 // Kun­stvere­in Krefeld // Krefeld

Preise und Stipendien

2016
Res­i­denz Overnight­Pro­jects, Burling­ton, USA
Preisträgerin JUNGE Posi­tio­nen NRW, Kün­stlerzeche Herne
2017
Stipendi­um Cham­plain Col­lege, Burling­ton, Ver­mont, USA
2018
Res­i­denz Christi­na Mac­Don­ald, East Hamp­tons, USA