Kölner Stadtanzeiger


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Trylon.de / Dr. Emmanuel Mir


Eine Empfehlung an alle, die ihre Son­ntage intel­li­gen­ter und span­nen­der gestal­ten möcht­en als die übri­gen Wei­h­nachts­mark­tbe­such­er: Ein fahrt nach Köln!
Dort find­et noch bis zum 9.1.2016 die zweite Edi­tion von Play statt, ein Video- und Per­for­mance-Fes­ti­val, das in der Galerie amper­sand zu erleben ist. Gegrün­det 2011 und mit Falko Bürschinger an ihrer Spitze, ist amper­sand eine kom­merziell aus­gerichtete Galerie, die sich für die Ver­mit­tlung eines beim bre­it­en Pub­likum immer noch nicht anerkan­nten Medi­ums engagiert. Mit dem Schw­er­punkt auf Video wagt das sech­sköp­fige Team einiges, denn ger­ade im jun­gen Seg­ment in der von amper­sand vertrete­nen Sparte – sind die Absatzchan­cen rel­a­tiv ger­ing. Videokun­st wird zwar in Insti­tu­tio­nen immer öfter gezeigt und hat sich mit­tler­weile aus ihrem ehe­ma­li­gen Exo­ten­da­sein befre­it, sie ist zwar zu einem voll­w­er­ti­gen Fach in Kun­sthochschulen gewor­den und darf nun auf inter­na­tionalen Großausstel­lun­gen nicht mehr fehlen, doch die kom­merzielle Szene hinkt stre­ichen: aber hin­ter der Entwick­lung her. Die Abwe­sen­heit dieses Medi­ums auf Kun­stmessen und seine zu sel­tene Präsenz in den Pro­gram­men von Gale­rien beweisen, dass der Otto- Nor­mal- Kun­st­samm­ler sich immer noch damit schw­er­tut – oder dass es Galeris­ten an Mut fehlt.
In dieser nicht ganz rosi­gen Lage) lohnt es sich für die Muti­gen zusam­men­zuhal­ten. Die zweite Aus­gabe des Play-Fes­ti­vals wird von amper­sand und von CAT Cologne gemein­sam kuratiert. CAT Cologne ist ein Vere­in, der Kün­stler­res­i­den­zen in Köln vergibt und sich für eine sozial wirk­ende Kun­st ein­set­zt. Die zwei organ­isieren­den Instanzen stell­ten drei Kura­toren zur Ver­fü­gung (Falko Bürschinger, Julia Haar­mann und Matthias Müller), die wiederum zwölf kün­st­lerische Posi­tio­nen zusam­menge­bracht haben. Diese soll­ten die Bedin­gun­gen der Ver­bre­itung von Video reflek­tieren und damit die rasche (und eher unüber­legte) Streu­ung von diversen Vide­o­for­mat­en in den neuen, massenkom­pat­i­blen Medi­en kom­men­tieren. Zwar ist mir genau dieser Punkt in der Ausstel­lung nicht durchge­hend klar gewor­den, den­noch war das Niveau der präsen­tierten Werke immer hoch und ihre Zusam­men­stel­lung schlüs­sig und span­nend. Die über­schaubare Auswahl und die Vari­a­tion der Präsen­ta­tions­for­men ermöglicht­en eine kurzweilige und anre­gende Sich­tung, ganz anders als in den üblichen Videoausstel­lun­gen, wo eine Black­box die näch­ste jagt und dieEnt­deck­ungslust des Besuch­ers schnell ver­pufft.
Auf der rein for­malen Ebene verbindet die inter­ak­tive Ani­ma­tion von Philipp Artus wenig mit der großen, malerischen Arbeit von Lukas Marxt. Ein­er­seits wird der Betra­chter mit der kün­stlichen Schön­heit von Sinuswellen kon­fron­tiert, die von ihm direkt ges­teuert wer­den und die immer neue flo­rale Struk­turen annehmen – die von Artus pro­gram­mierten Entwick­lungsmuster sind zwar sehr ein­fach, aber von uner­schöpflich­er Vielfalt: eine abstrak­te, flache und durch­struk­turi­erte Augen­wei­de. Ander­seits nimmt uns die sub­jek­tive Kam­era von Marxt mit in die Him­mel von Lan­zarote, der Ark­tis oder Aus­traliens, in wilde Land­schaften, die nicht so unberührt sind, wie es zunächst erscheinen mag. Diese göt­tliche Per­spek­tive ist zugle­ich erhaben und erschreck­end (weil sie sowohl die demi­ur­gis­che Kraft des Men­schen als auch seine tat­säch­liche Fragilität in der Natur zeigt) und erin­nert an roman­tis­che Motive. Der Kon­trast zwis­chen der ver­spiel­ten Arti­fizial­ität von Artus und dem Nat­u­ral­is­mus von Marxt hätte nicht größer sein kön­nen.

Im gle­ichen Raum ist die selb­stre­f­eren­zielle Instal­la­tion von Kil­ian Kretschmer zu sehen, die ein stere­ometrisches Bild mit höchst (kann man ana­log steigern?) analo­gen Mit­teln erzeugt und zudem eine unleug­bare skulp­turale Qual­ität besitzt. Mevlana Lipps Spiel­erei in Ping Pong, tech­nisch beein­druck­end aber anson­sten arg­los, hat mit der benach­barten Arbeit Drift­less von Felipe Castel­blan­co, die ganz ohne aufwändi­ge Schnit­tar­beit auskommt und eher als Doku­men­ta­tion ein­er Per­for­mance wirkt, sehr wenig Ähn­lichkeit. Fünf Arbeit­en also mit ein­er nur vagen inhaltlichen Verbindung (wobei irgen­deine Verbindung sich ja immer wieder kon­stru­ieren lässt.) Dies hätte zu ein­er Irri­ta­tion führen und den Vor­wurf der Beliebigkeit nach sich ziehen kön­nen. Doch trotz allem herrscht eine geschlossene Atmo­sphäre in der Haupthalle der Galerie. Woran es liegt, kann ich nicht erk­lären. Ich kann nur fest­stellen: Die Hän­gung funk­tion­iert.
Im Untergeschoss wirkt die Auswahl durch die drei Kura­toren gebun­den und inhaltlich nachvol­lziehbar. Mit den Arbeit­en von Ange­li­ka Her­ta und Reut Shemesh rückt der Kör­p­er, mit sein­er Unvol­lkom­men­heit und seinen Schwächen, in den Vorder­grund. Ob tänz­erisch-per­for­ma­tiv (Shemesh) oder konzeptuell-strin­gent (Her­ta): Eine gewisse Unruhe und latente Aggres­sion, gemis­cht mit ein­er Priese Humor oder Wahnsinn, sind da zu spüren. Erfreut war ich schließlich, die neuere Arbeit von Matthias Dan­berg gese­hen zu haben, die eine dichte, tech­noide Atmo­sphäre mit einem offe­nen nar­ra­tiv­en Strang kom­biniert. Wobei der Begriff Nar­ra­tion“ hier nicht wirk­lich greift: Anstelle ein­er lin­earen Geschichte rei­ht der Medi­enkün­stler Ansätze und Auss­chnitte wie Vignetten aneinan­der und lässt Req­ui­siten und Ele­mente eines (hochäs­thetisierten, glat­ten) Büh­nen­bildes ablaufen.
Auf einige weit­ere Beiträge des Fes­ti­vals bzw. der Ausstel­lung gehe ich der Knap­pheit hal­ber nicht präzis­er (weit­er) ein, aber wahren Ent­täuschun­gen oder schwachen Arbeit­en begeg­nete ich während meines Rundgangs bis auf eine Aus­nahme nicht. Diese Qual­ität ist erstaunlich für eine noch kleine Struk­tur, die in den Anfän­gen steckt und mit viel Herzblut manche organ­isatorische oder tech­nis­che Hin­dernisse zu meis­tern hat. Flankierend zur Ausstel­lung fand übri­gens eine Rei­he von Per­for­mances am Eröff­nungswoch­enende statt.

Dr. Emmanuel Mir

 

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